“Tatort: Schutzmaßnahmen” – Kritik zum neuen Fall aus Köln

Im Restaurant von Šenkovs Tochter liegt ein Toter. Das Opfer wollte einen Brandsatz zünden. Kölner Kommissare ermitteln in einem altmodischen Krimi.

ARD

Tatort: ​​Schutzmaßnahmen

Krimi • 01.01.2023• 20:15

Manche werfen dem Kölner „Tatort“, der mit dem Fall „Blutspur“ im Oktober sein 25-jähriges Bestehen feierte, konventionelles Stricken vor. Dem Erfolg von Max Balauf (Klaus J. Behrendt) und Fredi Šenk (Dietmar Bär) tat dies jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil: Zwei Ermittler Anfang 60 übernehmen Routine-Ermittlungsarbeit an einem deutschen „Tatort“, wo man bekommt, was viele Menschen immer noch sehen wollen: klassische Kriminalromane, teilweise gespickt mit „sozialen Problemen“, die hinterher gelöst werden die 90 sind minuten. Man vergisst leicht, dass Kölns Oeuvre in Fällen wie „Vier Jahre“ oder „Niemals ohne mich“ auch Fernsehfilme umfasst, die deutlich über dem Durchschnitt liegen.

Im Falle von Silvester „Schutzmaßnahmen“ scheinen die Macher (Buch: Paul Salisbury, Regie: Nina Vuković) jedoch bereit zu sein, einen radikal „klassischen“ Kölner Krimi zu machen. Und das nicht nur, weil Freddy Šenkas Tochter Sonja (Natalie Spinel), die zuletzt 1999 spielte, eine wichtige Rolle in der Handlung bekommt. Auch Filmbilder scheinen einen Gelbstich zu haben, welcher – gewollt oder versehentlich? – Erinnert mich an alte Zeiten. Vielleicht, weil sich die Geschichte eines pulsierenden innerstädtischen Kiezes wie aus einem deutschen Krimi der 90er anfühlt, der versucht, sich Themen wie „Multikulti“ anzunähern: Sonja Schenk betreibt mit ihrem Kochpartner Karim Farooq (Timur Isik) ein Restaurant „“ . Wunderlampe”. Während der Demonstration bricht ein maskierter Mann in eine leere Bar ein und will einen Brandsatz zünden. Der feurige Teufel selbst wird jedoch vertrieben und seine Leiche anschließend verbrannt.

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Max und Freddy, der froh ist, dass seiner Tochter, ihrem Freund und der fünfzehnjährigen Enkelin Frida Shank (Maira Helene Kellers) nichts passiert ist, finden heraus, dass es sich bei dem Toten um den Sohn des Feinkosthändlers Viktor Rasko (Manfred Zapatka) handelt. ) ist. Aber warum wollte er die Bar anzünden – und wer hat ihn daran gehindert? Freddy, den Max aufgrund seiner Voreingenommenheit in eine “privatere” Ermittlerrolle gedrängt hat, ist diesmal nicht nur Treuhänder, sondern auch Vater, (skeptischer) Schwiegervater und Großvater. Auch die anderen Figuren des überwiegend in der Kölner Weidengasse gedrehten Kiezfilms bilden eine Familie: Viktor Raschke hat einen zweiten Sohn, Mark (Paul Wolin), und eine junge Enkelin. Alles in allem scheint das „Familienunternehmen“ Raschke im Landkreis recht einflussreich zu sein.

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Doch was hat die türkische Familie um Matriarchin Aylin Göktan (Günfer Çölgeçen) damit zu tun? Und warum treffen sich viele Charaktere immer wieder in der zwielichtigen Kneipe „Hugos Eck“, wo Dackelbesitzerin Ulla Waldstätt (Almut Zilcher) einen wohligen Schnaps serviert?

Vor allem „Hugos Eck“, wo Songs wie „Farewell is a little like dying“ von Katja Ebstein aus der Jukebox dröhnen, ist eine Kneipe wie aus dem letzten Fernsehjahrzehnt: Hier bekommt man „etwas Starkes“ zur Begrüßung ohne zu fragen die Theke und der Besitzer versucht, mit allen Nachbarn über die Melancholie des Lebens zu sprechen. Ansonsten spart die Wirtin mit dem Herz am rechten Fleck auf eine künstliche Hüfte für ihren Rauhaardackel. Komisch, diese Anwohner!

Kein Fall, an den man sich erinnert

Unterm Strich fiel die Geschichte von Paul Salisbury, der mit „Atlas“ (2018) – nominiert für zwei Deutsche Filmpreise – bewies, dass er den Geschichten kleiner Leute viel abgewinnen kann, etwas konventionell aus. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind schlecht konstruiert, und der heute 80-jährige Manfred Zapatka muss ein paar B-Movie-„Pate“-Sprüche aufsagen, von denen sich der Schauspiel-Grandseigneur wünscht, er wäre im Spätherbst seiner Karriere verschont geblieben. Unterm Strich sind die „Safeguards“ ein „Tatort“, der in der langen Liste der Kölner Fälle nicht lange in Erinnerung bleiben wird – 86 davon gibt es mit diesem.

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Und wenn doch, dann nur, weil Schauspielerin Natalie Spinell nach 23 Jahren in ihrer zuletzt als Teenager gespielten Rolle ein überzeugendes Comeback feiert. Wer den Kölner „Tatort“ schon länger verfolgt, weiß, dass Freddy Schenk eine zweite Tochter hat: Melanie Schenk, zuvor gespielt von Karoline Schuch, trat zwischen 2001 und 2010 in insgesamt sechs Fällen auf. Ein Familientreffen, bei dem vielleicht sogar die Frau von Freddie Schenk zum ersten Mal auftaucht, soll nun das Ziel eines weiteren Familien-“Tatorts” aus Köln werden.

Tatort: ​​Schutzmaßnahmen – So 01.01. – ARD: 20:15 Uhr



Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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