Lesben- und Schwulenverband Hamburg warnt vor Reisen nach Katar | NDR.de – Sport

Stand: 11.11.2022 11:50 Uhr

Der Hamburger Lesben- und Schwulenverband (LSVD) warnt Homosexuelle davor, zur WM nach Katar zu reisen. Er habe Angst, sagte der Vorsitzende Wolfgang Preussner dem NDR.

„Der LSVD will, dass keine Fremden dorthin kommen, und das Auswärtige Amt spricht eine Reisewarnung aus“, sagte Preussner, „das Zeigen der Regenbogenfahne ist schon jetzt verboten und es droht Festnahme. Dann schaust du dir die Weltmeisterschaft im Gefängnis an.”

Zuvor hatte der Deutsche Lesben- und Schwulenverband die Bundesregierung aufgefordert, alle diplomatischen Besuche zur und von der WM in Katar dauerhaft auszusetzen. Zudem solle das Auswärtige Amt eine Reisewarnung „für alle lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender, intersexuellen und queeren (LSBTIQ*) Menschen“ aussprechen.

Auswärtiges Amt: Derzeit besteht keine Reisewarnung für LGBTIQ-Personen

Obwohl das Auswärtige Amt die Äußerungen von Katars WM-Botschafter Khalid Salman am Mittwoch durch ihre Sprecherin Andrea Sasse verurteilte, plant das Außenministerium derzeit keine Warnung für LGBTIQ-Personen, die in das Emirat reisen. Die katarische Regierung hat versichert, dass alle Fans bei der Weltmeisterschaft, die am 20. November beginnt, willkommen sind. Letzte Woche sagte Innenministerin Nancy Faeser, sie habe eine „Sicherheitsgarantie“ von Katars Premierminister und Innenminister Scheich Khalid bin Khalifa Al-Thani erhalten.

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„Wir haben die Steinzeit erreicht“

Salmans homophobe Äußerung in der ZDF-Dokumentation „Geheimsache Katar“ sorgte für Empörung. Der frühere Nationalspieler aus Katar hatte Homosexualität als “psychisch destruktiv” bezeichnet. Kurz darauf konterte der 60-Jährige: Seine Aussagen seien „aus dem Zusammenhang gerissen“. Jeder sei in Katar willkommen, “aber unsere Kultur und Religion werden sich für die WM nicht ändern”. Das Organisationskomitee der WM und der Weltverband FIFA haben sich bisher nicht zu den Aussagen geäußert.

Preussner war nicht überrascht von dem, was Salman sagte – aber er war dennoch schockiert. „Es war von vornherein klar, dass es keine weiteren Meldungen geben würde. Wir haben die Steinzeit erreicht.“

DFB will nicht “wegducken”

Der Umgang mit dem Gastgeberland wird seit Wochen öffentlich diskutiert – und die Debatte ist dank der jüngsten Berichte wieder aufgeheizt. Bundestrainer Hansi Flick zeigte sich schockiert über die homophoben Äußerungen von Katars WM-Botschafter. „Es macht uns sprachlos. Ich bin überrascht, dass so etwas heute passiert“, sagte Flick, als er sein Team für die WM in Frankfurt/Main ankündigte. Aber sie „sprechen die Menschenrechtssituation vor Ort an und halten Augen und Ohren offen“, „werfen nicht weg“ und „machen auf Missstände aufmerksam“.

Kritisiert wird auch das „One Love“-Armband.

Nach aktuellem Stand soll Nationaltorhüter Manuel Neuer bei der WM in Katar die Kapitänsbinde von „One Love“ tragen. „Natürlich hoffen wir, dass wir die One-Love-Connection nutzen können, um anderen Ländern viel Kraft zu geben”, sagte der 36-Jährige. Ende September hatte der DFB gemeinsam mit großen anderen Ländern die Initiative angekündigt. Aber Kritisiert wurde die Farbgebung, weil sie nicht die Regenbogenfahne darstelle. Neuer trug bei der EM 2021 eine solche Kapitänsbinde. “Du könntest stark gemacht werden – wo ist das Problem?” sagte Preußner.

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Auch Schwule und Lesben sprechen: Zuschauen oder nicht?

Auch unter Lesben und Schwulen gibt es keine einheitliche Meinung darüber, wie man als Zuschauer an die WM herangeht. „Unter den Schwulen ist das Gefühl, dass man sie nicht unterstützen darf. Aber natürlich gibt es auch viele eingefleischte Fußballfans und die wollen mithalten“, sagte der Präsident des Hamburger LSVD. Vor allem die Machtlosigkeit im Allgemeinen ist frustrierender – verglichen mit der Konkurrenz, der Menschenrechtssituation und dem Preis. Und so sagt Preussner ein wenig resigniert: „Du kannst jetzt nicht mehr viel machen. Es ist vorbei.“

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Sportverein | 13.11.2022 | 10:50 Uhr

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