Archäologie: 49 Amulette für die Reise ins Jenseits

Geschichte Archäologie

Der ägyptische Junge erhielt 49 Amulette für seine Reise ins Jenseits

RESTAURANT – 20. Januar 2023, Kairo, Ägypten: Das digitale Bild zeigt das Innere der „Golden Boy“-Mumie in vier Schichten.  Mit einem CT-Scanner haben Wissenschaftler eine 2.300 Jahre alte Mumie durchleuchtet, die nie geöffnet wurde.  (an dpa RESTAURANT – 20. Januar 2023, Kairo, Ägypten: Das digitale Bild zeigt das Innere der „Golden Boy“-Mumie in vier Schichten.  Mit einem CT-Scanner haben Wissenschaftler eine 2.300 Jahre alte Mumie durchleuchtet, die nie geöffnet wurde.  (an dpa

Vier Schichten einer nie geöffneten, aber jetzt geröntgten Mumie

Quelle: dpa

WVoll geschmückt trat der Knabe seine letzte Reise an: 49 edle Amulette wurden im alten Ägypten dem toten Jüngling geschenkt. Die rund 2.300 Jahre alte Mumie, auch „Goldjunge“ genannt, sei nie geöffnet worden, schreibt ein Forscherteam im Fachblatt „Frontiers in Medicine“. Die Computertomographie (CT)-Radiographie hat jetzt dramatische Ergänzungen offenbart. Dem Verstorbenen wurde ein goldenes Zungenamulett in den Mund gelegt, um ihm das Sprechen im Jenseits zu ermöglichen.

Die 1916 auf einem ptolemäischen Friedhof in Edfu in Oberägypten (etwa 800 Kilometer südlich von Kairo) entdeckte Mumie stammt aus der Zeit um 330 v. Seit es in einem Außen- und einem Innensarg gefunden wurde, wird es im Ägyptischen Museum in Kairo aufbewahrt. Die nun mit Hilfe eines mobilen CT-Scanners erstellten Bilder zeigten, dass es sich um die Mumie eines 1,30 Meter großen Jungen im Alter zwischen 14 und 15 Jahren handelt. Ein CT-Scan ist eine dreidimensionale Röntgenuntersuchung, mit der Querschnittsbilder des Körpers oder anderer Objekte erstellt werden können.

HANDBUCH - 20. Januar 2023, Ägypten, Kairo: Die Mumie

Eine etwa 2.300 Jahre alte Mumie, die als “Goldjunge” bekannt ist.

Quelle: dpa

„Der Körper dieser Mumie war stark mit 49 Amuletten verziert, die in einer einzigartigen Anordnung in drei Reihen zwischen den Bandfalten und in der Körperhöhle wunderschön stilisiert waren“, sagte Sahar Saleem, Professorin für Medizin an der Universität Kairo und Leiterin der Studie. Die Amulette bestehen aus Gold, Halbedelsteinen, gebranntem Ton und Keramik. „Sein Zweck war es, den Körper zu schützen und ihm Kraft für das Leben nach dem Tod zu geben“, erklärte Saleem.

Nach damaligem Brauch wurde dem Toten eine goldene Kopfmaske mit idealen Gesichtszügen übergestülpt. Ihre Augenlinien und Augenbrauen sind mit Steinen eingelegt und die Pupille besteht aus schwarzem Obsidian. Die Mumie ist vom Hals bis zu den Füßen komplett eingewickelt. Die äußere Auskleidung der Verpackung ist dunkelbraun.

Die alten Ägypter glaubten, dass die Seele im Jenseits weiterlebt. Der Zugang verschaffte sich dem Glauben nach jedoch erst nach einer gefährlichen Passage durch die Unterwelt und nach der Urteilsverkündung. Angehörige und Einbalsamierer bemühten sich, dem Verstorbenen den Eintritt ins Jenseits zu ermöglichen und seinen Körper zu schützen. Alle vier Gliedmaßen werden separat abgedeckt.

Auch (offene) Schuhe wurden dem „Goldjungen“, der zum Zeitpunkt seines Todes vermutlich einen hohen sozialen Status hatte, geschenkt. „Die Sandalen sollten ihm wahrscheinlich erlauben, aus dem Sarg herauszukommen“, sagte Saleem. Ähnlich ist es im altägyptischen Totenbuch. Der Junge hatte auch eine goldene Maske und Rüstung. Nach Angaben des Forschungsteams wurde das Gehirn durch die Nase entfernt und der Schädel mit Harz gefüllt. Außer dem Herzen wurden auch die inneren Organe durch einen Schnitt im linken Unterbauch entfernt.

HANDBUCH - 20. Januar 2023, Ägypten, Kairo: Das digitale Bild zeigt die Amulette (weiß), die in drei Säulen im Inneren platziert wurden

Das CT-Bild zeigt die in der Mumie platzierten Amulette

Quelle: dpa

Doch auch nach dem CT-Scan muss die Todesursache offen bleiben. Es gab keine Hinweise auf Verletzungen, dh. schwere körperliche Verletzung durch äußere Gewalteinwirkung oder Krankheit, die erkennbare Spuren an den Knochen hinterlassen hätte. Es gibt auch kaum Hinweise auf einen Mangel.

Das Grand Egyptian Museum in Kairo steht derzeit kurz vor der Fertigstellung und soll noch in diesem Jahr eröffnet werden. Viele Artefakte befinden sich jedoch immer noch im Altägyptischen Museum mitten auf dem Tahrir-Platz. Dort wird nun auch der „Golden Boy“ in der Haupthalle gezeigt – zusammen mit einigen CT-Aufnahmen.

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