Abhängigkeit der Konzerne: China-Geschäft spaltet die Wirtschaft

Stand: 03.11.2022 15:21 Uhr

Spitzenmanager begleiten Bundeskanzler Scholz auf seiner Reise nach China. Andere Wirtschaftsgrößen fehlen in der Delegation. Wie viel Geschäft mit dem Land noch angemessen ist, ist in Konzernen und Verbänden umstritten.

Die China-Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz und einer Wirtschaftsdelegation ist nicht nur in der Bundesregierung umstritten. Auch in der Wirtschaft wird das Verhältnis zu China kontrovers diskutiert. Unternehmer und Manager führen politische Diskussionen möglichst vertraulich und ohne drastische Wortwahl. Es lassen sich jedoch zwei Gruppen identifizieren. Einerseits gibt es oft sehr große Unternehmen, die stark vom Chinageschäft abhängig sind. Ihre Manager plädieren für mehr Engagement. Auf der anderen Seite gibt es Wirtschaftsverbände. Sie machen deutlich, dass sie das deutsche Geschäft in China wieder einführen wollen.

Ingo Natusius

“Sucht macht uns erpressbar”

Das wurde am Dienstagabend beim Hessischen Unternehmertag in Wiesbaden deutlich. „Als global agierende Unternehmer wissen wir genau: Die Abhängigkeit von einzelnen Ländern macht uns erpressbar“, sagte der Präsident des hessischen Unternehmers Wolf Matthias Mang, „Nicht nur China, Russland und die USA, sondern viele weitere interessante Länder. Globalisierung neu gestalten bedeutet wieder kreativer zu sein.“ Das Familienunternehmen von Mang, die Oechsler AG, ist selbst in China vertreten.

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Einen anderen Fokus hatte hingegen Jan Rinnert, CEO der Heraeus Holding in Hanau. „Es ist wichtig, dass wir weiterhin Geschäfte mit China machen“, sagte Rinnert. Zwischen dem Westen und China besteht ein ambivalentes Verhältnis. „Niemand wird bestreiten, dass sich China zum Wohle der Menschen dort entwickelt“, sagte der Manager, dessen Konzern 22 Tochtergesellschaften in China betreibt.

Mit uns reisen BASF, VW und BMW

Ähnlich wie Rinnert setzen sich die Manager des Chemiekonzerns BASF für mehr Geschäfte mit China ein. BASF arbeitet derzeit an einer Investition von zehn Milliarden Euro in China. Auch in China baut Siemens sein Geschäft aus. Die Vorstandsvorsitzenden der beiden Unternehmen begleiten Bundeskanzler Scholz auf seiner Reise ebenso wie die Chefs von VW und BMW, die die meisten ihrer Autos in China verkaufen. Der Wirtschaftsdelegation gehören auch der Chef der Deutschen Bank und der CEO von Merck an. Es gibt auch Hipp, Bayer, Wacker und BioNTech.

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Einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge haben Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius und der Vorstandsvorsitzende der aufgespaltenen DaimlerTruck AG, Martin Daum, allerdings keine Zeit. Auch die Vorstandsvorsitzenden der Automobilzulieferer Bosch, Continental und Schaeffler nehmen nicht teil. Auch die Chefs der Technologiekonzerne Infineon, SAP und Thyssen-Krupp sowie die der Logistiker Hapag-Lloyd und Deutsche Post bleiben fern.

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Der VDMA verliert Chancengleichheit

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) setzt auf grundsätzliche nationale Überlegungen: „Das Potenzial des chinesischen Marktes muss genutzt werden, aber gleichzeitig müssen gefährliche Abhängigkeiten, die die Leistungsfähigkeit Deutschlands einschränken könnten, abgebaut und Europa politisch gehandelt werden.“ heißt es in einer Stellungnahme des VDMA. Deutsche Unternehmen werden in China oft schlecht behandelt; zumindest schlimmer als die Chinesen in Deutschland. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat sich bereits ähnlich geäußert.

Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schrieb über die geplante Minderheitsbeteiligung eines chinesischen Staatsunternehmens an einem Containerterminal im Hamburger Hafen: “Die Angelegenheit wirft ein problematisches Licht auf die starke Abhängigkeit einzelner deutscher Unternehmen von China.” . Das IW wird von Wirtschaftsverbänden getragen.

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